HKR Kitzbühel

Michael Huber über Tradition und Wandel

24.01.2026

Das elfte Jahr in Folge sorgt der Brite Chris Cummins dafür, dass alle Bewerbe der Hahnenkamm-Rennen auch auf Englisch zu hören sind. So wird auch blinden und sehbehinderten Skibegeisterten der Zugang zu den Rennen ermöglicht. Chris Cummins kommentiert auf Englisch, seine Kollegen von Audio 2 auf Deutsch. Am Freitagnachmittag bat der Radio-Journalist OK-Chef Michael Huber zum Gespräch und schrieb für das Hahnenkamm-Renen folgende Story.

Nach der Super-G Pressekonferenz treffe ich den Mann, um den sich hier in Kitzbühel vieles dreht. Michael Huber, Präsident des Kitzbüheler Ski Clubs, sprüht wie immer vor Begeisterung – und hat eine spannende Geschichte auf Lager. Diese gibt es zum Nachhören im Audio2-Livestream hier.

„Gerade eben habe ich eine E-Mail von einem Freund aus Hanoi bekommen“, erzählt Huber, sichtlich begeistert von der Nachricht. „Zum ersten Mal hat jemand in Vietnam das Hahnenkamm-Rennen gesehen und deinen Audio-Kommentar angehört!“ Es ist nur ein kleines Detail, aber es sagt viel darüber aus, wie sehr sich dieses Rennen entwickelt hat. Von einer kleinen, lokalen Veranstaltung hat sich das Hahnenkamm-Rennen zum weltweit übertragenen bzw. gestreamten Spektakel gemausert – und erreicht heute die hintersten Winkel der Welt. Davon haben die Organisatoren in den Anfängen nicht einmal geträumt.

120 Jahre Rennen auf der gleichen Strecke

Für all jene, die Südostasien beeindruckend finden, kann Huber mit noch bemerkenswerteren Informationen aufwarten. „Am Freitag war ich sehr emotional“, erklärt er. „Es ist 60 Jahre her, dass 1966 der alpine Skiweltcup geboren wurde – und es ist schon 120 Jahre her, dass das allererste Rennen auf dieser Strecke stattfand.“ Am 8. April 1906 sind die Athleten auf derselben Strecke angetreten, auf der auch heute gefahren wird. Gleicher Höhenunterschied. Gleicher Zielbereich. Nur gestartet wurde etwas oberhalb. „Ich habe die Atmosphäre heute gespürt“, sagt Huber, „und mir ist bewusst geworden, dass seit 120 Jahren genau an diesem Ort Skirennen stattfinden. Das hat es noch spektakulärer gemacht.“

Ich musste lachen – allerdings mit einem mulmigen Gefühl, als ich mir vorstellte, wie die Rennläufer damals den berüchtigten Steilhang auf Holzski mit Lederbindungen bezwangen. An diesem Tag tauchten wohl nur neun von den vierzehn angemeldeten Teilnehmern auf. Der Regen über Nacht hatte die gesamte Strecke in eine Eisbahn verwandelt und damals gab es noch keine Pistenraupen.

Sagenumwobenes „Michi 60“

Apropos Zahlen: Ich frage nach, was es im Vorjahr mit der Zahl „Michi 60“ auf der Streif auf sich hatte. Da stellt sich heraus, dass es sich um eine Überraschung zu Huber‘s 60. Geburtstag handelte. „Alle haben genau gewusst, dass ich nein sage, wenn sie mich fragen“, meint er lachend. „Also haben sie es einfach gemacht.“ Die unbeabsichtigte Folge? Menschen aus aller Welt riefen jeden „Michi“ im Raum Kitzbühel an, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Aber es war immer der falsche Michi.

Heikler Balanceakt

Meine letzte Frage war die vielleicht wichtigste: Wie bewahrt man 120 Jahre Tradition und bleibt trotzdem innovativ? „Das bleibt ein Geheimnis“, sagt Huber. „Es lässt sich nirgends lernen. Letztendlich braucht es viel Gefühl.“ Er erzählt, dass er und sein Team alle paar Jahre Änderungsvorschläge einbringen – manchmal werden sie umgesetzt, manchmal nicht. „Es frustriert mich, wenn alles immer gleichbleibt“, sagt er. Aber es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten darf. Einmal wollte er den Ganslern-Slalom auf die Abfahrtsstrecke verlegen. „Es gab so einen Aufschrei, dass mir klar wurde: Finger weg davon!“

Die Verbesserungen in diesem Jahr betreffen hauptsächlich das Zielstadion – neue Videoleinwände, ein abgeflachter Zielbereich, zwei Meter höhere Tribünen. „Es ist ein völlig neues Gefühl“, erklärt Huber, „und trotzdem bleiben wir uns treu.“ Kitzbühel muss einzigartig bleiben und gleichzeitig noch besser werden. Genau dieser gelungene Drahtseilakt macht das Hahnenkammrennen zum prestigeträchtigsten Rennwochenende im Skisport.

Da noch zwei Renntagen vor ihm liegen, wünscht uns Huber dann alles Gute und taucht sofort wieder im Getümmel unter. Eines ist sicher: Egal, ob man von den vollbesetzten Tribünen im Zielbereich oder vom Wohnzimmer in Hanoi aus zusieht, man erlebt etwas ganz Besonderes.

Foto © K.S.C./alpinguin


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